schwarzer Hintergrund und die Frage: Was ist eigentlich BeReal?

BeReal erklärt: Was du als Elternteil wissen solltest

April 18, 20265 min read

BeReal erklärt: Was Eltern wirklich wissen müssen

Unter all den sozialen Medien, die Jugendliche nutzen, ist BeReal vielleicht die ungewöhnlichste. Keine Filter, kein Algorithmus, keine inszenierten Fotos. Klingt eigentlich gut und in vielerlei Hinsicht ist es das auch. Aber wie immer lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn auch hinter dem Konzept „echte Momente" stecken ein paar Dinge, die Eltern kennen sollten.


Was ist BeReal überhaupt?

BeReal ist eine französische App, die 2020 gegründet wurde und besonders ab 2022 sehr populär wurde, vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Grundidee ist denkbar simpel: Einmal am Tag, zu einer zufälligen Uhrzeit, bekommen alle Nutzer gleichzeitig eine Benachrichtigung. Dann haben sie zwei Minuten Zeit, ein Foto zu machen, mit der Vorder- und der Rückkamera gleichzeitig. Kein Bearbeiten, keine Filter, kein Aufhübschen. Einfach der echte Moment.

Das offizielle Mindestalter liegt bei 13 Jahren.


Die wichtigsten Funktionen erklärt

Die tägliche Benachrichtigung: der Kern der App

Jeden Tag, zu einer anderen zufälligen Uhrzeit, kommt die Meldung: „Time to BeReal." Ab diesem Moment läuft die Uhr. Wer innerhalb von zwei Minuten postet, gilt als pünktlich. Wer später postet, sieht eine Anzeige, wie viele Minuten oder Stunden er zu spät war, für alle sichtbar.

Das schafft etwas, das andere soziale Medien bewusst vermeiden: Unmittelbarkeit. Es gibt keine Möglichkeit, stundenlang das perfekte Foto zu planen.

Das Doppelkamera-Foto: Vorder- und Rückseite zugleich

Wenn der Alarm kommt, löst BeReal automatisch beide Kameras gleichzeitig aus. Das Ergebnis: Ein Bild zeigt, was vor der Person ist und ein kleines Bild in der Ecke zeigt das Gesicht der Person selbst. Das macht es schwer, sich zu verstecken oder eine Rolle zu spielen. Man sieht den Kontext und die Person.

Der Retake-Zähler: Ehrlichkeit als Designprinzip

Wer das Foto mehrmals aufnimmt, bevor er es postet, bekommt einen kleinen Zähler angezeigt: „2 Retakes" oder „5 Retakes". Das ist für alle Freunde sichtbar. Ein bisschen gesellschaftlicher Druck in Richtung Ehrlichkeit und gleichzeitig auch ein kleiner Anlass für Scham, wenn man zu viel nachgemacht hat.

Der Freundes-Feed: nur für Freunde sichtbar

Wer BeReal nutzt, sieht standardmäßig nur die Beiträge seiner Freunde und nur dann, wenn man selbst auch gepostet hat. Wer seinen eigenen BeReal noch nicht geteilt hat, kann die Fotos der anderen nur verschwommen sehen. Das motiviert zur Teilnahme, kann aber auch Druck erzeugen.

RealMojis: Reaktionen per Selfie

Statt Like-Buttons oder Herzen gibt es bei BeReal sogenannte RealMojis: Wenn man auf einen Beitrag eines Freundes reagiert, macht die App ein kurzes Selfie von einem selbst und hängt es als Reaktion an. Das ist charmant und persönlich aber auch eine Funktion, bei der Kinder unbewusst Fotos von sich selbst teilen.

Der Discovery-Feed: hier wird es öffentlich

Das ist die Stelle, die viele Eltern überrascht: BeReal hat einen öffentlichen Discovery-Feed, in dem Beiträge von komplett Fremden auftauchen, sofern diese ihren Beitrag öffentlich gestellt haben. Wer seinen eigenen BeReal auf „öffentlich" stellt, kann theoretisch von Millionen Menschen gesehen werden. Die Einstellung lässt sich ändern, aber Kinder achten oft nicht darauf.

Der Standort im Bild: ein unterschätztes Risiko

BeReal bietet die Möglichkeit, den eigenen Standort zum Foto hinzuzufügen. Das ist als freiwillige Funktion gedacht aber wenn sie aktiviert ist, sehen alle Freunde (und bei öffentlichen Beiträgen auch Fremde), wo man sich gerade befindet. Dieses Feature lohnt es sich gemeinsam zu prüfen.

Screenshots werden angezeigt

Wenn jemand einen Screenshot von einem BeReal macht, wird der Poster darüber benachrichtigt. Das ist ein guter Schutzmechanismus aber kein vollständiger. Es hält vielleicht manche davon ab, Screenshots zu machen, verhindert es aber nicht.

Kein Eltern-Tool

BeReal bietet kein Family Center, keine Elternsteuerung, keine Möglichkeit zur Verknüpfung von Accounts. Der einzige echte Einblick, den Eltern haben, ist der, den das Kind ihnen freiwillig gibt. Das macht das offene Gespräch zuhause umso wichtiger.


Was BeReal so besonders macht und was dahinter steckt

BeReal ist in seiner Grundidee eine Reaktion auf Instagram und TikTok: eine App, die bewusst gegen Inszenierung und Perfektion designt ist. Das ist erfrischend und für viele Jugendliche tatsächlich entlastend. Kein Druck, perfekt auszusehen. Kein Algorithmus, der entscheidet, wer gesehen wird.

Aber: Auch BeReal ist nicht neutral. Der Retake-Zähler erzeugt sozialen Druck. Die Benachrichtigung kommt zu jeder Tages- und Nachtzeit auch mitten im Unterricht, beim Abendessen, kurz vor dem Schlafen. Viele Jugendliche berichten, dass sie sich verpflichtet fühlen, sofort zu reagieren. Das ist eine neue Form von Druck, auch wenn sie anders aussieht als auf Instagram.


Was sollte ich mit meinem Kind besprechen?

Vier Themen, die ich besonders empfehle:

Ist dein Profil öffentlich oder privat? Das sollte gemeinsam geprüft werden. Ein öffentliches Profil bedeutet, dass Fremde das Foto sehen können inklusive Standort, wenn dieser aktiviert ist.

Wie gehst du mit dem Alarm um? Darf das Handy auch beim Essen oder im Unterricht klingeln? Wann ist es okay, den BeReal später zu machen oder gar nicht? Das ist eine gute Gelegenheit, gemeinsam Regeln für die Handynutzung zu besprechen.

Der Retake-Zähler und sozialer Druck. Kinder machen manchmal fünf oder mehr Versuche, bevor sie posten, trotz des Zählers. Das zeigt: Auch „echte" Apps erzeugen Druck. Das lohnt sich anzusprechen, ohne zu urteilen.

Was passiert im Discovery-Feed? Fremde posten dort ihre Momente. Was findet dein Kind dort? Ist das ein Bereich, der in eurer Familie okay ist?


Fazit

BeReal ist unter den sozialen Medien tatsächlich eine der ehrlichsten Apps und das ist echtes Lob. Aber auch ehrliche Apps haben blinde Flecken: den öffentlichen Feed, den Standort, den sozialen Druck rund um die Benachrichtigung.

Und das Beste an BeReal: Es gibt kaum Suchtpotenzial durch endloses Scrollen. Einmal am Tag, dann ist es gut. Das ist, für eine Social-Media-App, ziemlich ungewöhnlich.


Hast du Fragen zu BeReal oder anderen Apps, die dein Kind nutzt? Schreib mir gerne.
www.KI-nder.com

Alex ist Mutter von vier Kindern und erklärt Eltern verständlich, was in der digitalen Welt ihrer Kinder wirklich passiert. Ihr Ziel ist, Sicherheit, Klarheit und einen selbstbewussten Umgang mit Apps, Social Media und Gaming zu vermitteln.

Alexandra

Alex ist Mutter von vier Kindern und erklärt Eltern verständlich, was in der digitalen Welt ihrer Kinder wirklich passiert. Ihr Ziel ist, Sicherheit, Klarheit und einen selbstbewussten Umgang mit Apps, Social Media und Gaming zu vermitteln.

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